| { Notiz: } Noch
bevor der Bildbetrachter in einer Grafik einen Gegenstand auch
als solchen erkennt, werden unbewußt Linien und Flächen
wahrgenommen. Linien und Flächen sind die elementaren Gestaltungselemente
der Bildsprache. Ihr Gebrauch löst Stimmungen beim Betrachter
aus { Zitat: http://www-is.informatik.uni-oldenburg.de/~dibo/teaching/pg-mpig/zwischenbericht-b/node138.html
} Linien
Linien lenken unbewußt den Blick des Betrachters. Man
spricht daher häufig von Führungs- oder Leitlinien.
Man kann mit einer Führungslinie direkt auf ein Bildelement
zielen. Linien reduzieren dabei ein Bildelement nicht nur
auf seine äußere Form, sondern es werden Eindrücke
wie Statik oder Dynamik, Spannung oder Ausgeglichenheit, Harmonie
oder Disharmonie erzeugt.
Im Bildaufbau wird zwischen imaginären und wirklichen
Linien unterschieden. Wirkliche Linien existieren als klare
geometrische Konturen im Bild, beispielsweise als Häuserkante,
Horizont oder auch als Schatten. Imaginäre Linien dagegen
sind nicht direkt im Bild sichtbar. Bei der Betrachtung bildet
der Betrachter sie eher unbewußt aus dem Zusammenhang
des Bildaufbaus.
Der Grad der Wirkung der Linien auf den Betrachter ist nicht
nur abhängig von dem Grad der Deutlichkeit, sondern auch
von der Orientierung innerhalb des Bildes. Bei der Orientierung
wird zwischen waagerechten, senkrechten und diagonalen Linien
unterschieden.
Eine waagerechte Linie unterteilt ein Bild in eine obere
und eine untere Bildhälfte. Dem Betrachter werden dabei
Eindrücke wie Ruhe, Gleichgewicht, Stabilität, Dauerhaftigkeit
und Zuverlässigkeit suggeriert. Mit einer dominanten
waagerechten Linie (z.B. der Horizont in der Landschaftsaufnahme
in Abbildung 5.3) lassen sich beim Betrachter eher Eindrücke
wie Raum, Weite und Großzügigkeit erzeugen.
Senkrechte Linien suggerieren in gewisser Weise Stabilität,
doch wirken sie spannungsvoller als waagerechte Linien. Denn
senkrechte Linien und Formen scheinen sich immer in einer
Art Balance zu halten. Es besteht immer die Möglichkeit,
daß eine der Linien umkippen könnte.
Da Bilder von links nach rechts abgetastet werden, kann besonders
eine dominante senkrechte Linie im Bild den Blick des Betrachter
stoppen. Es ist daher zu überlegen, ein entsprechendes
Motivteil z.B. ein Schatten als deutliche Senkrechte auf der
rechten Bildhälfte anzuordnen. Dadurch kann verhindert
werden, daß der umherschweifende Blick des Betrachters
sofort wieder aus dem Bild herauswandert.
Diagonale Linien können als aufsteigend bzw. als absteigend
bezeichnet werden. Eine Diagonale drückt also eine Bewegungstendenz
aus. Ihre Wirkungen resultieren aus der typischen Blickrichtung
von links nach rechts. Beim Betrachten der Reifen in Abbildung
5.3 entstehen Eindrücke wie Dynamik, Lebendigkeit und
Bewegung. Aufwärts gerichtete Diagonalen wirken in der
Regel am harmonischsten. Abwärts gerichtete Diagonalen
haben dagegen auf den Betrachter wesentlich negativere Wirkungen.
{ Zitat: http://www-is.informatik.uni-oldenburg.de/~dibo/teaching/pg-mpig/zwischenbericht-b/node138.html
} Flächen
Flächen sind Ruhepunkte in einer Darstellung. Sie verleihen
einem Bild optischen Halt. Im Gegensatz zu Linien, die den
Blick des Betrachters über das Bild wandern lassen, bilden
sie in sich geschlossene Schwerpunkte. Flächen können
den Blick des Betrachters stoppen und halten. Die elementarsten
Flächen in der Bildgestaltung sind Dreieck, Kreis, Rechteck
und Quadrat.
Wie bei Linien muß man auch bei Flächen zwischen
wirklichen und imaginären Flächen unterscheiden.
Imaginäre Flächen entstehen durch eine entsprechende
Anordnung von Bildelementen zu Kreisen, Rechtecken, Dreiecken
oder Quadraten. Wirkliche Objekte sind als klare geometrische
Objekte im Bild (z.B. Tischplatte, Fenster oder Teller usw.).
Abbildung 5.4 und 5.5 zeigen imaginäre Flächen.
Imaginäre Dreieckflächen stehen in deutlichem Kontrast
zum rechteckigen Bildformat. Auf den Betrachter wirken derartige
Bildkompositionen sehr spannungsgeladen und dynamisch. Zudem
haben Dreieckflächen die Eigenschaft, den Blick des Betrachters
im Bild zu halten - der visuelle Austritt wird sozusagen erschwert
(Blickgefängnis).
Kulturell hat der Kreis unter anderem Bedeutungen wie Sonne
und Mond und besitzt daher für den Betrachter einen sehr
hohen Aufmerksamkeitswert. Symbolisch steht er für Aufgeschlossenheit
Stabilität und Ruhe. Kreisflächen wie in Abbildung
5.5 haben die Eigenschaft, einen deutlichen Kontrast zum Rechteckformat
des Bildes zu erzeugen.
Das Rechteck ist die Form, die am häufigsten vorkommt,
z.B. in Gebrauchsgegenständen und in der Architektur.
Sehr schmale Rechtecke erzeugen beim Bildbetrachter ähnliche
Eindrücke wie senkrechte oder waagerechte Linien. Ansonsten
hängt die Wirkung stark von der Größe der
Rechteckform im Bild ab. So hat ein großes waagerechtes
Rechteck, das mit den Bildrändern korrespondiert, oft
den Charakter eines Rahmens. Auf den Betrachter wirken derartige
Bildkompositionen sehr ruhig und streng.
Vom Quadrat geht durch seine Form eine neutrale und ruhige,
oft aber auch monotone Wirkung aus. Innerhalb von Bildern
eignen sich quadratische Formen also dazu, Ruhepunkte für
den Blick des Betrachters zu bilden.
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